Logistik 4.0 – Robotik und autonome Logistik

Unter dem Motto „Digitales trifft Reales“ stand das Thema Logistik 4.0 beim 35. Deutschen Logistik-Kongress in der letzten Woche in Berlin im Fokus. In der Fachsequenz „Robotik und autonome Logistik“ hat Elham Mirzaei, Roboteringenieurin bei InSystems Automation, gemeinsam mit Vertretern der Branche und Wissenschaft über Einsatzmöglichkeiten von Robotikanwendungen gesprochen und am Beispiel des proANT AGV 436 (Autonomous guided vehicle) die Vorteile autonomer Systeme diskutiert. Zum Abschluss wurde es philosophisch: Brauchen Roboter einen moralischen Kompass und braucht es den Menschen noch in der Logistik 4.0?

Logistik 4.0 – Was heisst das?

Mit dem Begriff Logistik 4.0 werden einerseits die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf den Bereich des Transport- und Versorgungswesens beschrieben. Andererseits umfasst der Begriff sämtliche Dienstleistungen, die zur Unterstützung und Mitgestaltung bei der Digitalisierung und Automatisierung in Unternehmen dienen. Dabei meint Logistik 4.0 in erster Linie die Vernetzung und Integration von logistischen Prozessen innerhalb und außerhalb von Handelsunternehmen und Produktionsanlagen bis hin zur dezentralen Echtzeitsteuerung logistischer Netzwerke. Entsprechende Lösungen bauen auf das Zusammenspiel von informatischen, softwaretechnischen Komponenten mit mechanischen und elektronischen Teilen auf (Cyber-physischen Systemen auf engl. Cyber-physical Systems, kurz CPS). Diese sind wiederum über ein Netzwerk wie z. B. dem Internet miteinander verbunden und können somit Informationen austauschen. Der Vorteil solcher Systemverbünde besteht darin, dass sich hierdurch komplexe Infrastrukturen besser steuern, regeln und kontrollieren lassen. Zu ihren Bestandteilen können sowohl mobile Einrichtungen als auch stationäre Maschinen, Anlagen und Roboter zählen.

proANT 436 mit Magazinregal als Bestandteil einer Logistik 4.0?

Ein Beispiel für Letzteres hat Elham Mirzaei, Roboteringenieurin bei InSystems Automation, beim Logistik-Kongress näher erläutert: Das autonom navigierende AGV proANT 436, das schon jetzt als fahrerloser Transportroboter mit Menschen in einer Umgebung kooperieren kann und in der industriellen Fertigung für die Beschickung von Montagearbeitsplätzenmit Materialeingesetzt wird. Das proANT verfügt über ein Magazinregal, in dem je nach Höhe bis zu 7 Tabletts oder flache KLT Behälter gleichzeitig transportiert werden können. Durch den großen Hub kann die Lastaufnahme mit Riemenantrieb nicht nur die Regalebenen im Magazin automatisch bestücken, sondern auch die Lasten in beliebiger Übergabehöhe zwischen 420 und 1.350 mm übernehmen und übergeben. Zudem können zeitsparende Sammeltransporte zu einem oder mehreren Montagearbeitsplätzen realisiert werden. Über eine intelligente Lagerfachverwaltung wird das Fahrzeug mit den genauen Informationen versorgt, welches Material in welchem Regalfach transportiert und an welches Fach es an verschiedenen Abgabeorten wieder zu übergeben ist. Elham Mirzaei kommentiert die Features des Roboters mit einem Blick auf die Zukunft: „Aktuell beschränkt sich die Autonomie bei Transportrobotern lediglich auf die Navigation. Unser Ziel sind selbstlernende, selbstoptimierende Transportroboter als Bestandteil einer autonomen Logistik.“

Roboter, Drohnen und autonome Paketzusteller

Neben der Transportroboter-Anwendung präsentierte das Team von „doks Innovation“ Drohnen, die zukünftig im Lager autonom die Bestands- und Stammdatenerfassung abwickeln. Xenia Scholl, Co-Founder von TeleRetail, hat dagegen ein autonom navigierendes Fahrzeug für die Straße mitgebracht, das möglicherweise schon bald als eine sinnvolle Ergänzung zu Lastenrädern und Pickups auf der sogenannten „Last Mile“ von Paketdienstleistern eingesetzt werden könnte. Eine ebenso effiziente Anwendung führte das Unternehmen Righthand Robotics vor, einen Robotergreifarm für die automatische Kommissionierung von Bauteilen bzw. Gütern.

Wo bleibt der Mensch in der Logistik 4.0?

Zum Abschluss der Fachsequenz hat Moderator Frank Brantner, Geschäftsführer der Magazino GmbH, die Forschungsfragen von Prof. Dr. Matthias Scheutz als Anregung und Anstoß für das Publikum und die Referenten aufgegriffen: Brauchen Roboter einen moralischen Kompass, wenn sie in der Fabrik mit Menschen arbeiten? Überhaupt ist zu fragen, welche Aufgaben am Ende für den Menschen in einer autonomen Fabrik übrigbleiben, wenn es für jeden Prozess ein Roboteräquivalent gibt? Dazu führt Mirzaei aus: „Der Mensch wird nach wie vor gebraucht. Und zwar für sämtliche kreative und intellektuelle Aufgaben, unabhängig davon, wie viele unserer momentanen Science-Fiction Ideen bald real werden könnten.“

Weiterführende Links:

www.proANT.de

Pogramm des Logistik-Kongresses:

https://www.bvl.de/files/1951/2142/2346/Programm_35._Deutscher_Logistik-Kongress_2018.pdf

https://teleretail.com

https://www.righthandrobotics.com

https://www.doks-innovation.com